Ratgeber

Notfalldienste unterwegsBlaulicht im Rückspiegel: Wie man dann reagieren muss

13.10.2026, 10:22 Uhr
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Gefahr im Gewusel: Gerade im hektischen Verkehr kann ein Einsatzfahrzeug zusätzlichen Stress auslösen - wie reagiert man richtig? (Foto: dpa)

Im Großstadtgetümmel ist längst nicht jede Autofahrt entspannt. Da ein Bus, dort die Straßenbahn, Fußgänger hier und Radfahrer überall - und schon ist die Ampel wieder rot. Eine halbe Minute Ruhe? Nein! Denn im Rückspiegel blitzt es blau, dazu das laute Martinshorn. Die Einsatzfahrzeuge müssen natürlich schnell vorbei - was nun tun? Vinzenz Kasch ist Sprecher der Berliner Feuerwehr und Leiter des Stabes Kommunikation und gibt ein paar Tipps, wie man kühlen Kopf bewahrt und schlau und sicher Platz macht.

Herr Kasch, wie muss ich mich als Autofahrer verhalten, wenn sich Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst mit Blaulicht und Martinshorn von hinten nähern?

Vinzenz Kasch: Sofort freie Bahn schaffen, das ist in der Straßenverkehrsordnung vorgeschrieben. Wenn Blaulicht und Einsatzhorn angeschaltet sind, gelten die Wegerechte. Dann müssen andere Verkehrsteilnehmer sofort freie Bahn schaffen. Dabei gilt, dass man sich selbst und andere nicht in Gefahr bringen darf. So ist immer Vorsicht geboten und es gelten die allgemeinen Sorgfaltspflichten, gerade bei Radschutzstreifen. Wenn ich darauf fahre, um Platz zu schaffen, muss ich schauen: Ist da gerade frei? Nicht, dass da noch mal was passiert. Die oberste Pflicht ist: Beim Ausweichen darf nicht noch einmal jemand gefährdet werden. Man darf aber auch Verkehrsregeln brechen, wenn das erforderlich ist: beispielsweise eine rote Ampel überfahren, um sich in die Kreuzung hineinzutasten und Platz zu schaffen. Tatsächlich sehen wir immer wieder im Einsatz: Die anderen Verkehrsteilnehmer trauen sich oft nicht, etwa über eine rote Ampel zu fahren, leicht in eine Kreuzung reinzufahren, an die Seite zu fahren oder auf einem Gehweg auszuweichen.

Was tue ich, wenn links und rechts der Platz nicht ausreicht?

Wenn wir zum Stehen kommen, ist es dabei auch in der Stadt immer wieder sinnvoll, ein bisschen Abstand zum Vordermann zu halten. Dann kann man noch reagieren, wenn von hinten ein Fahrzeug mit eingeschaltetem Sondersignal kommt. Ich stehe in einem Ampelstau? Dann sich schon vorauseilend fragen: Wo könnte ich hin? In der Regel gibt es die Möglichkeit, auf den Fahrradweg, Radschutzstreifen oder im Zweifel auf den Gehweg auszuweichen oder im einfachsten Fall so weit an den Rand fahren zu können, dass in der Mitte eine Rettungsgasse entsteht. Wenn es für die anderen, die hinter einem an der Ampel stehen, nicht möglich ist, Platz zu schaffen und eine Rettungsgasse zu bilden, ist man auch selbst in der Pflicht. Dann bitte nach vorn, etwa auf die Kreuzung, hinausfahren, um eine Entlastung zu schaffen, sodass die Einsatzfahrzeuge durchkommen und die Rettungsgasse geöffnet werden kann.

Ich mache dem Rettungswagen Platz und werde dabei geblitzt: was nun?

Man kann Widerspruch gegen den Bescheid einlegen und auf eine entsprechende Sonderrechtsfahrt verweisen, der man Platz gemacht hat. Die Behörden prüfen, ob das wirklich stattgefunden hat. Gut wäre, gleich dabei zu sagen: "Ich habe einem Feuerwehrauto Platz gemacht" oder "Ich habe einem Rettungswagen Platz gemacht" oder "Ich habe einem Polizeifahrzeug Platz gemacht". Dann weiß die Stelle, wo sie konkret anfragen muss. Deswegen muss also niemand Scheu haben und etwa wegen eines bekannten Rotlichtblitzers auf einer Kreuzung auf die Ausweichaktion verzichten. Aber: Auch wenn ich in solchen Situationen von den Regeln abweichen darf, um meiner Pflicht, sofort freie Bahn zu schaffen, nachzukommen, muss ich aufpassen, dass ich dabei keinen weiter gefährde.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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